Autorin: Anika Bittorf
Geprüft von: Medical Affairs

Funktion der Nägel

Den Nägeln kommt im täglichen Leben eine weit größere Bedeutung zu, als vielen Menschen möglicherweise bewusst ist. Denn sie erfüllen nicht nur eine ästhetische Aufgabe, sondern schützen unsere schmerzempfindlichen Finger- und Zehenspitzen vor Verletzungen. Außerdem besteht die Funktion der Nägel darin, die empfindlichen Finger- und Zehenendglieder sowie die Finger- und Zehenkuppen bei der Erfassung feinster Berührungsreize zu unterstützen.

Mit ihnen zusammen bilden sie darüber hinaus eine funktionelle Einheit als Tast- oder Greiforgan. Die Nägel von Daumen und Zeigefinger wirken dabei wie eine Pinzette. Des Weiteren helfen die Nägel dem Menschen dabei sich zu kratzen.1 Ohne Nägel wären unser Tastsinn und unsere Fingerfertigkeit beträchtlich gestört. Die Nägel sind aber nicht nur ein Werkzeug, sondern liefern auch Informationen über unseren Gesundheitsstatus. Kommt es zu Nagelveränderungen, können Mediziner anhand der Beschaffenheit und des Aussehens Rückschlüsse auf mögliche Ursachen geben.

Entstehung der Nägel

Die Nägel bilden sich im dritten Monat der Schwangerschaft aus. Ab der achten bis neunten Embryonalwoche sind sie an den Gliedern ausgebildet. Dabei entsteht zunächst ein leicht vertieftes Nagelfeld, dass durch eine bogenförmige Wulst begrenzt ist. Dieses ist, ebenso wie die Nagelwurzel, in der 13. Schwangerschaftswoche ausgeformt.

Aus der Nagelwurzel entspringt ab der 14. Schwangerschaftswoche die Nagelplatte, aus sogenannten Körnerzellen. Im fünften Monat der Schwangerschaft kommt es zur Entwicklung des Nagelhäutchens an der Ober- und Unterseite der Nägel. In Woche 20 bedeckt die Nagelplatte dann das gesamte Nagelbett. Bei Geburt überragt die Nagelplatte schließlich die Finger- und Zehenkuppen.1,2

Nagelwachstum: Wie schnell wachsen unsere Nägel?

In der Nagelmatrix kommt es zur Bildung von neuer Hornsubstanz (Keratin). Diese lagert sich an die Nagelplatte an. Der Nagel wird nach vorne geschoben. So kommt es zum Wachstum der Nägel. Dabei handelt sich um einen Prozess bei dem immer wieder abgestoßene Hornschicht abgestoßen und neues Keratin gebildet wird. Durch das Abstoßen schieben sich die alten Hornzellen bis zu 150 Schichten übereinander.3

Zehennägel wachsen in der Regel etwas langsamer als Fingernägel. Pro Woche wachsen sie etwa einen halben bis einen ganzen Millimeter.3 Bis sich der Nagel einmal komplett erneuert hat, dauert es so mehrere Monate. Nagelprobleme werden so erst spät sichtbar.

Das Nagelwachstum kann durch verschiedene Faktoren beeinflusst und sogar gestört werden, zum Beispiel durch den Stoffwechsel, Kälte und Rauchen. Auch das Alter spielt eine Rolle. Umso älter ein Mensch wird, umso langsamer wachsen die Nägel.3

Zu Störungen im Nagelwachstum und damit zu Nagelproblemen, kann es durch innere und äußere Faktoren kommen. Ein Mangel an Mineralstoffen und Vitaminen kann das Wachstum beispielsweise hemmen. Nahrungsergänzungsmittel aus der Drogerie oder Apotheke können dann eventuell helfen.1

Tipp: Nagelprobleme sollten aufgrund der langsamen Wachstumsgeschwindigkeit der Nägel schon frühzeitig behandelt werden. Das Nachwachsen eines kompletten Fingernagels beträgt in etwa 6 Monate3, Zehennägel benötigen hierfür sogar 9-12 Monate.

Nagelaufbau: Wie sind unsere Nägel aufgebaut?

Die Nagelplatte besteht aus hartem Keratin und einem hohen Anteil an sogenannten Schwefeldoppelverbindungen. Sie besitzt einen dreischichten Aufbau aus festen Hornschichten, die dachziegelartig angeordnet sind.4 Die Nagelplatte ist etwa einen halben Millimeter dick und sehr hart. Sie ist zudem glatt und transparent. Das gut durchblutete Nagelbett schimmert so zart rosa hindurch. Die Nagelplatte ist mit dem darunterliegenden Nagelbett an drei Seiten verwachsen.5

Nagelaufbau Illustration

Die Hautkanten links und rechts werden als Nagelwall bezeichnet, der untere Hautrand als Nagelfalz. Sowohl der Nagelwall als auch die Nagelfalz erfüllen eine wichtige Schutzaufgabe. Sie verhindern, dass Bakterien und Pilze unter die Nagelplatte ins Nagelbett eindringen und dort zu Nagelproblemen führen können.

Die Nagelplatte ist noch über die Nagelwurzel (Nagelmatrix) mit dem Nagelbett verbunden. Ihr sichtbarer Teil schimmert als weißer Halbmond durch die Nagelplatte hindurch. Experten nennen diesen Bereich auch „Lunula“ (lateinisch: Möndchen).1

Nagelwurzel: Wo der Nagel entsteht

Jeder Teil im Nagelaufbau des menschlichen Nagels erfüllt eine wichtige Funktion. Die Nagelwurzel ist so für die fortwährende Bildung von Zellen zuständig. Diese Zellen flachen im Verlauf ab und werden dann zum Teil der Nagelplatte. Die Nagelwurzel wird als weißer halbmondförmiger Teil des Nagels sichtbar und auch als „Lunula“ (lateinisch: Möndchen) bezeichnet.1

Nagelplatte und Nagelbett

Die Nagelplatte besteht aus drei Schichten – der dorsalen, der intermediären und der palmaren Schicht. Sie wölbt sich in zwei Richtungen und erhält dadurch eine erhöhte Stabilität. Die Nagelplatte schiebt sich vom Körper weg. Sie ist durch spezielle leistenartige Strukturen mit dem Nagelbett verbunden. Die Nagelplatte ist in der Region der Nagelwurzel dünner und hin zum freien Nagelrand dicker. Die Farbgebung der Nagelplatte wird durch verschiedene Faktoren bestimmt:1

Das Nagelbett wird auch Hyponychium genannt. Es besteht aus einer Art Leisten, ähnlich einem Wellblech. Auch die Nagelplatte besitzt solche ausgebildeten Seiten, aber an ihrer Unterseite. So können sich Nagelbett und Nagelplatte miteinander verbinden.1

Nagelwall, Nagelfalz und Nagelhaut

Der Nagelwall deckt die Lunula ab und begrenzt links und rechts die Hautfalte. An ihm liegt die Nagelhaut. Diese verschließt die Nageltasche. Sie liegt dafür wie eine feine, dichte Lippe auf dem Nagelrücken auf. Wird die Nagelhaut verletzt, kann es durch das Eindringen von Bakterien oder Pilzen zu Nagelwachstumsstörungen kommen.1

Der Nagelfalz bildet die Übergangszone von der Nagelplatte zum Nagelwall.1

Künstlicher Nagelaufbau

Künstliche Nägel erfreuen sich großer Beliebtheit. Denn sie versprechen schöne Nägel und das über mehrere Wochen hinweg. Bei Kunstnägeln kommt es zu einem künstlichen Nagelaufbau durch beispielsweise verschiedene Gele oder Acryl. Der eigentliche Naturnagel wird dabei mit Hilfe einer Schablone verlängert. Der höchste Punkt der Nagelmodellage wird als Stresspunkt bezeichnet.

Nagelaufbau mit Gel

Bei Gel handelt es sich um flüssigen Kunststoff, den es in verschiedenen Farben und Viskositäten gibt. Es kann in verschiedenen Varianten aufgetragen werden. Die Aushärtung der einzelnen Gel-Schichten erfolgt mittels UVA-Strahlung. Zum Schluss wird noch ein Überlack aufgetragen, um das Gel zu schützen.

Nagelveränderungen durch künstliche Nägel

Nagelveränderungen kommen in einer großen Vielfalt vor. Sie können auch durch künstliche Nägel hervorgerufen werden. Denn auf Dauer kann die Art von Nagel-Kosmetik schädlich sein. Denn das Gel und auch das Acryl greifen die Hornschicht der Fingernägel an. Die Nägel werden auf Dauer weich und brüchig.6

Wie lange brauchen Nägel um sich von Gelnägeln zu erholen?

Künstliche Nägel können nicht nur Nagelveränderungen, sondern auch Allergien hervorrufen.6 Je nachdem wie stark die Schädigungen sind, können die Nägel mehrere Wochen oder auch Monate benötigen, um sich wieder zu regenerieren. Von Patient zu Patient brauchen die Nägel daher unterschiedlich lang sich zu erholen.

Nagelpflege ist das A und O

Eine regelmäßige Nagelpflege kann sich positiv auf die Beschaffenheit und das Wachstum Ihrer Nägel auswirken. Bauen sie diese daher in Ihre Beautyroutine ein. Gerade Männer vernachlässigen das Thema oft. Wer in puncto Nagelpflege Anfänger ist und nach Ideen sucht, kann sich beispielsweise von Kosmetikern oder auch dem Hautarzt beraten lassen. Letzterer ist ebenfalls der beste Ansprechpartner bei speziellen Nagelerkrankungen wie Nagelpilz.

Der Hautarzt kann bei Nagelveränderungen eine genaue Diagnose stellen. Sollten Sie Abweichungen an Ihren Nägeln feststellen, scheuen Sie sich nicht, Ihren Hautarzt um Rat zu fragen. Je nach Diagnose bespricht er mit Ihnen eine geeignete Therapie und gibt Ihnen Tipps und Tricks für den Umgang im Alltag.

Nagelaufbau nach Nagelpilz

Bei einer Nagelpilz-Infektion verliert der Nagel zunächst seinen natürlichen Glanz. Im weiteren Verlauf kann es zu weißlich, gelblichen bis bräunlichen Verfärbungen kommen. Die Nagelplatte beginnt sich zu verdicken. Die Nägel können brüchig werden. Im späteren Stadium fängt die Nagelplatte an zu bröckeln und sich auch vom Nagelbett zu lösen (Onycholyse).1,7  

Nagelpilz sollte schnellstmöglich behandelt werden. Ob die Erkrankung in Eigenregie mit lokalen Mitteln aus der Apotheke oder mittels verschreibungspflichtiger Medikamente unter Aufsicht eines Arztes behandelt wird, hängt dabei davon ab, wie weit sie bereits fortgeschritten ist.

Autorin
Anika Bittorf

ist gelernte PR-Redakteurin und -Beraterin im Bereich der Gesundheitskommunikation. Ihr Schwerpunkt liegt dabei auf der digitalen Gesundheitskommunikation sowie der Erstellung von Content- und Kommunikationsstrategien.

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Die Abteilung Medical Affairs ist Ansprechpartner für medizinisch-wissenschaftliche Fragestellungen zu den Produkten und Therapiebereichen der Almirall Hermal GmbH.

Schreiben Sie uns bei weiteren Fragen gerne eine Mail: medinfode@almirall.com ✉

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Quellen:

  • 1 Niederau, Anke (2009): Das große Buch der Nagelerkrankungen. Ursache. Podologische Diagnostik. Therapie. Prophylaxe. München: Verlag Neuer Merkur GmbH.
  • 2 Wollina, U., et. Al. (2016): Diagnostik und Therapie von Nagelerkrankungen. In: Deutsches Ärzteblatt. Int 113 (29-30) (2016) 509-518.
  • 3 Neuen-Biesold, Andrea (2011): Was die Fußnägel verraten. DIE PTA IN DER APOTHEKE 09/11. Online-Quelle. URL: https://www.diepta.de/news/aktion/fit-fuer-die-beratung-was-fussnaegel-verraten-539692/, zuletzt abgerufen am 15.02.2021
  • 4 Deutsche Haut- und Allergiehilfe e. V. (2016): Patienteninformation. Gesunde Haare und Nägel. Strukturschäden behandeln und vorbeugen. Online-Quelle. URL: https://dha-allergien.de/pdfs/haareundnaegel.pdf, zuletzt abgerufen am 15.02.2021
  • 5 Dill-Müller, D. & Zaun, H. (2004) Krankhafte Veränderungen des Nagels. 9. Auflage. Balingen: Spitty Verlag GmbH & Co. KG.
  • 6 Jaleel, T.; Carney, C.; Elewski, B. (2012): Cosmetic Aspects of Nail Products and Services. in Cosmet Dermatol. 2012;25:357-363
  • 7 Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) (2018): Nagelpilz. Online-Quelle. URL: https://www.gesundheitsinformation.de/nagelpilz.html, zuletzt abgerufen am 04.02.2021

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